Die Natur heilt - Weihrauchöl
-Was Sie schon immer über Ätherische Öle wissen wollten-


Weihrauchöl
Boswellia sacra

Familie Burseraceae/Balsambaumgewächse



Der Weihrauchbaum (Olibanum) wächst im Hügelland Indiens und Arabiens. Die besten Qualitäten kommen nach wie vor aus Somalia/Äthiopien.
Zur Gewinnung des Harzes wird die Rinde der 3 bis 7 Meter hohen Bäume angeritzt. Der austretende Pflanzensaft erstarrt an der Luft zu rot-gelblichen oder bräunlichen "Tränen" . So kann ca. 1 Kilogramm Harz je Baum pro Jahr gewonnen werden.
Nach dem Sammeln werden die Harzstücke sortiert und nur die erste Qualität findet Verwendung zur Herstellung von ätherischem Öl und Heilmitteln. Der indische Weihrauch Boswellia serrata unterscheidet sich vom arabischen Boswellia sacra sowohl bei den Inhaltsstoffen als auch durch den frischeren und harzigeren Duft.
Das ätherische Weihrauchöl wird durch Wasserdampfdestillation des Harzes gewonnen, das ca 3 - 5% ätherische Ölanteile enthält.

Weihrauch als Kulturgut

Mit dem Wort "Weihrauch" verbinden wir gewöhnlich die Vorstellung einer prächtigen katholischen Messe, Priester im Ornat, das Schwenken des Weihrauch-Kessels, den Rauch und den typischen intensiven Duft.
Wir erinnern uns, daß Weihrauch - neben Myrrhe und Gold - zu den Gaben der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland gehörte. Weihrauch, der in der Antike zu den kostbarsten Spezereien zählte, wurde bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. als Ehrenerweis vor Bischöfen in Prozessionen verwendet.
Sein Gebrauch im Kultus anderer Religionen reicht freilich noch viel weiter zurück: Den orientalischen Göttern wurde Weihrauch schon vor 7000 Jahren geopfert.
Die Ägypter verwendeten Weihrauch auch zum Einbalsamieren, als Räuchermittel und zu reinigenden (desinfizierenden) Zwecken.

Weniger bekannt ist, daß das Harz des indischen Weihrauchbaumes (Boswellia serrata) in der traditionellen indischen Naturheilkunde des Ayurveda (der "Wissenschaft vom gesunden Leben“) seit über 3000 Jahren als wichtiges Heilmittel eingesetzt wird.
Als Salbe wurde "Salai Guggul" (alte Sanskrit-Bezeichnung der Pflanze) bei Entzündungen, (v.a. Gelenkentzündungen), Knochenbrüchen, Drüsenschwellungen und Geschwüren aufgetragen. Innerlich setzte man es bei chronischen Darmerkrankungen und Hämorrhoiden ein, sowie bei Entzündungen des Mundraums.

Die älteste Dokumentation findet man im Papyrus Ebers. Bereits Hippokrates, Dioskurides und Galen, die großen Ärzte der Antike, setzten Weihrauch zur Therapie ein.

Aromatherapie

Das ätherische Weihrauchöl besitzt eine besonders starke Wirkung auf die Lunge und gehört bei Entzündungen der Atemwege zu den hilfreichsten ätherischen Ölen. Als einer der besten Lungenantiseptika lindert es Hustenanfälle und ist vor allem bei chronischer Bronchitis mit Katarrh angezeigt: Man verwendet es als Inhalation, zu Massagen und Bädern.
Für sehr nützlich hat sich Weihrauchöl für Asthmatiker erwiesen, da es den Atem verlangsamt und vertieft; man benutzt es in diesem Fall am besten zur Massage.

Im Bereich der Gesichtspflege ist Weihrauchöl besonders bei alternder Haut von Nutzen. Es belebt, gibt schlaffer Gesichtshaut Spannkraft zurück und verzögert die Faltenbildung. Das Öl wirkt gegen Akne und verhindert, dass Narben zurückbleiben. Auch in der Narbenpflege und zur Behandlung von Schwangerschaftsstreifen (auch vorbeugend) hat sich Weihrauchöl sich bewährt.

Weihrauchöl wurde früher auch zur Behandlung von Entzündungen im Urogenitalbereich eingesetzt. Es kräftigt die Gebärmutter und hilft bei anormal starken Blutungen (Bauchmassage). Während einer Schwangerschaft kann er problemlos eingesetzt werden.

Im psychisch-seelischen Bereich reguliert es Angstgefühle, gleicht Stimmungsschwankungen aus, ist emotional beruhigend, wirkt bei leichten Depressionen und bei phychischer und mentaler Erschöpfung.

Weihrauchöl ergänzt sich gut mit Myrte, Myrrhe, Tonka, Zeder, Cistrose, Styrax, Zitrus- , Blüten- und Koniferenölen.

Aktueller Forschungsstand

Neben zahlreichen anderen Bestandteilen enthält Weihrauchharz 5 - 8% Boswelliasäuren. Von den Boswelliasäuren ist bekannt, daß sie entzündungshemmende (antiphlogistische) Wirkungen haben.
Entzündungen sind gekennzeichnet durch Rötung, Schwellung, Ödembildung, Wärme und gestörte Organfunktion. Sie werden im Körper durch das Enzym
(5-Lipoxygenase) verursacht.
Dieses Enzym veranlaßt die Bildung von sogenannten Leukotrienen, körpereigene Stoffwechselprodukte, die für die Aufrechterhaltung von chronischen Entzündungen verantwortlich sind. Bei entzündlichen Erkrankungen sind erhöhte Leukotrienen-Konzentrationen im Organismus nachweisbar. Gelingt es, die übermäßige Leukotrienen-Produktion im Körper zu stoppen, bilden sich die chronischen Entzündungen zurück. Wir haben oben gesehen, daß die Leukotrienen-Produktion durch ein bestimmtes Enzym veranlaßt wird. Inaktiviert man dieses Enzym, können keine Leukotrienen entstehen. Genau dies tun nun die Boswellia-Säuren: Sie hemmen die Tätigkeit des Enzyms 5-Lipoxygenase.

Anwendungsbereiche für Weihrauchextrakt

Man kann ein Übermaß an Leukotrienen bei vielen und verschiedenartigen Krankheitsbildern beobachten. Dazu gehören Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, vor allem die Rheumatische Arthritis, Osteoarthritis, chronische Gelenkentzündung (Polyarthritis), aber auch die - leider sehr verbreiteten – entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die Schuppenflechte(Psoriasis) sowie Asthma bronchiale.

Um die Erforschung der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von Weihrauchextrakt hat sich in Deutschland vor allem der Tübinger Pharmakologe
Prof. Hermann P. T. Ammon, verdient gemacht.
Er berichtet über die Ergebnisse einiger klinischer Untersuchungen mit Weihrauchextrakt bei einer limitierten Anzahl von Patienten mit chronischer Polyarthritis.
Prof. Ammon bezeichnet die Ergebnisse als "vielversprechend" und schreibt: "So zeigte sich in etwa 60 - 70% der Fälle ein Rückgang der Schmerzen, der Schwellung und der Gelenksteifigkeit."

Prof. Ammon fährt fort: "Das gleiche scheint für die Behandlung der Colitis ulcerosa zu gelten, bei der in einer kürzlich in Indien durchgeführten offenen Studie mit 34 Patienten, die sechs Wochen lang täglich mit einem alkoholische Extrakt aus dem Harz von Boswellia serrata behandelt wurden, in 80 % der Fälle eine Remission (Zurückgehen der Krankheitserscheinungen) auftrat. Die Ergebnisse waren ähnlich denen einer Kontrollgruppe mit dem Standardpräparat Sulfasalazin."

Der Bochumer Pharmakologe Prof. Dr. Thomas Simmet berichtet über den Einsatz von Weihrauchextrakt bei einer bestimmten Form von Hirntumoren (Astrozytom).
Bei dieser Tumorart konnten mit dem Weihrauchpräparat deutliche klinische Besserungen der Hirndrucksymptome erzielt werden, außerdem hemmte es das Wachstum der Turmorzellen.

Prof. Simmet konnte in Zellkulturversuchen und in klinischen Tests zeigen, daß das Tumorwachstum und die damit auftretenden Ödeme möglicherweise durch Leukotriene verursacht werden. Die Tumorzellen schütten diese Stoffe aus und vermehren sich unter ihrem Einfluß weiter; ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist.
Je bösartiger ein Tumor ist, desto mehr Leukotriene bildet er, sagt Prof. Simmet.
Auf einem Internationalen Kongreß für Phytotherapie in München präsentierte Simmet die Ergebnisse, die er zusammen mit dem Neurochirurgen Michael Winking von der Universität Gießen an 25 Patienten erhalten hatte.
Diese bekamen eine Woche lang einen Trockenextrakt des Boswellia-Harzes; anschließend entfernten die Ärzte die Krebsgeschwulst durch eine Operation. Bei jedem 2. Krebskranken war der Tumor bereits weitgehend abgestorben. Die Ödeme wurden ebenfalls kleiner, so daß sich die neurologischen Ausfälle wie Sprachstörungen in einigen Fällen besserten.

Dosierung

Bei chronischen Beschwerden mit entzündlicher Aktivität (wie z. B. chronische Polyarthritis) liegt der empfohlene Dosisbereich bei Langzeitbehandlung zu Beginn der Therapie und bei starken Beschwerden bei 3 x 800 mg Trockenextrakt täglich, sonst bei 3 x 400 mg Trockenextrakt.
Für Kinder bis 10 Jahre ist die halbe Dosis zu empfehlen. Das Präparat (in Kapsel- oder Tablettenform) wird nach den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit geschluckt.

Symptome bei Überdosierung, toxische Wirkungen, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen sind bisher nicht bekannt geworden.

Ausblick

Die ungewöhnlich lange Tradition von Weihrauch in der indischen Erfahrungsmedizin rechtfertigen sicherlich ein Vertrauen in seine Anwendung. Dies ist für alle von chronischen Entzündungen Betroffenen besonders wichtig. Es ist zu erwarten, daß die vielversprechenden bisherigen Ergebnisse durch weitere klinische Untersuchungen noch stärker wissenschaftlich untermauert werden können. Das jetzt - nicht zuletzt durch die Medien angeregte - öffentliche Interesse sollte diese Forschungsarbeit beflügeln. Prof. Ammon gibt dazu diesen Ausblick: "Wir sind uns darüber im klaren, daß diese ersten klinischen Ergebnisse nicht ausreichen, um Zulassungsbehörden von der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit jetzt schon zu überzeugen. Die bisherigen Daten ermutigen uns jedoch, weitere Untersuchungen darüber anzuregen, inwieweit Extrakte aus dem Harz von Boswellia serrata oder isolierte Boswelliasäuren auch bei anderen Krankheiten, bei denen eine vermehrte Bildung von Leukotrienen eine wichtige Rolle spielt, eine Besserung herbeiführen.

Dies um so mehr, als nicht davon auszugehen ist, daß von Boswelliaprodukten schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie sie bei klassischen Antiphlogistika / Antirheumika bekannt sind, auftreten."

Bei folgenden Krankheiten werden erhöhte Leukotrienenwerte im menschlichen Körper festgestellt:

Lungenleiden:
Asthma
Lungenfibrose
Atmungsschmerzsyndrom bei Erwachsenen
Allergische Störungen:
allergisch verursachte Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung)
allergisch verursachte Bindehautentzündung

Knochen- und Gewebserkrankungen:
Rheumatoide Arthritis
Lupus erythematodes (Autoimmunkrankheit ungeklärter Ursache, bei der es zur Bildung zahlreicher Auto- Immunkomplexe kommt, die Antikörper und v.a. entzündliche Vorgänge auslösen)
Gicht
Lyme Arthritis (rheumatische Erkrankung als spätsymptomatische Folge eines Zeckenbisses.)

Hautleiden:
Psoriasis (Schuppenflechte)
Urticaria (Nesselsucht)

Gastro-Intestinale Erkrankungen:
Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
Bauchspeicheldrüsen-Entzündung
Leberzirrhose

Störungen des Zentralen Nervensystems:
Astrozytom (Hirntumor)
Multiple Sklerose

Andere Krankheiten:
Myokordiale Ischämie (Durchblutungsstörungen im Herzbereich)
Nikotinsucht
Brüchigkeit/Durchlässigkeit der Blutkapillaren (Haargefäße).

Inwieweit Weihrauch bei diesen Krankheiten erfolgreich zum Einsatz kommen kann und ob isolierte Einzelbestandteile des Harzes (Boswelliasäuren) gleich gute Wirkung zeigen wie die naturbelassene Gesamtheit des Harzes wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

Dieses Analysezertifikat eines naturbelassenen Rosmarinöles wurde mir freundlicherweise von der Firma "Nature" zur Verfügung gestellt.


Ätherische Öle Heilöle Nahrungsergänzung
Ätherische Öle Index Heilöle Index Nahrungsergänzung Index

Fragen ? - Kritik ? - Anregungen ? - Ich freue mich auf Ihre Post:
Ed Erutan

© Copyright 2003 by Ed Erutan Letzte Änderung: 05.10.2003