Ein Kraut macht Karriere
Das Johanniskraut, Allheilmittel der Naturheilkunde, schützt offenbar auch vor Bakterien

Auszug aus der Zeitschrift "Die Welt" vom 26.Juni 1999


Freiburg - Die Hautärzte Christoph Schempp und Professor Jan Simon konnten wissenschaftlich erhärten, was Heilpflanzenkundige schon immer vermuteten: Das unscheinbare Kraut mit den gelben Blüten hilft nicht nur bei Verletzungen, Verbrennungen und Neuralgien, sondern ist auch antibakteriell.
Die Forscher wiesen in Labortests nach, daß der in der Pflanze enthaltene Wirkstoff Hypertorin auch gegen Bakterienstämme wirkt, die gegenüber Penicillin und anderen Antibakteria resistent sind. Vor allem Staphylokokken überleben zunehmend die gegen sie eingesetzten Medikamente. "Ein Riesenproblem für Krankenhäuser", erklärt Schempp, "die Mikroorganismen setzen sich massiv auf frische Wunden, beispielsweise nach operativen Eingriffen - eine bedrohliche Situation."
Staphylokokkenbefall auf offenen Wunden und Verletzungen zieht schwere Infektionen und Eiterbildung nach sich.
Geraten die Bakterien in die Blutbahn, kann es zu schwerer Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Das hochreine Johanniskrautextrakt Hyperforin (95 bis 97% Reinheit) wirkt, das zeigten die Versuche in Freiburg, wo fast alles versagt.
Noch ist das Produkt aus dem Labor HWI Analytik in Rheinzabern relativ teuer, die Massenproduktion ist "prinzipiell aber möglich".
Dabei ist die Nachfrage nach dem beliebten Heilkraut weltweit schon so gestiegen, daß die Wildbestände Mittel- und Südeuropas kaum mehr ausreichend sind.
Die Kultivierung des relativ anspruchslosen Krauts stelle jedoch, so Schempp, eigentlich kein Problem dar.

Auch die antidepressive Wirkung von Hypericum perforatum ist schon in vielen Studien belegt worden. Das Gesamtextrakt wurde 1998 vom Bundesgesundheitsamt zur Behandlung depressiver Erkrankungen - Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, depressive Stimmungen - zugelassen.

Schempp: "Das ist ungewöhnlich für ein rein pflanzliches Präparat".
Eine angeblich auftretende erhöhte Lichtempfindlichkeit konnte in zwei Freiburger Studien nicht nachgewiesen werden.
Nun müssen noch Verträglichkeitsprüfungen an Mensch und Tier durchgeführt werden. Bevor der antibakterielle Wirkstoff Hypertorin endgültig auf den Markt kommt, können noch etliche Jahre vergehen.

 

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