Phyto-Crispies - mit Pflanzenhormonen
- Was Sie schon immer über pflanzliche Nahrungsergänzung wissen wollten -

Osteoporoseprophylaxe und Beeinflussung klimakterischer Beschwerden durch nährstoffangereichertes Brot


Autoren: Dipl. oec. troph. Nina Oelker, Dr. Christoph Persin
Kampffmeyer Mühlen GmbH

1. Hintergrund der Studie /vorausgehende Erkenntnisse

Durch die Verminderung der Östrogenproduktion im Klimakterium kommt es bei den betroffenen Frauen zu symptomatischen und psychischen Veränderungen, wie Herzbeschwerden, Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelbeschwerden, Depressionen, Erschöpfung, Sexualproblemen etc. Weitaus einschneidender sind die durch den Östrogenmangel bedingten Folgeerkrankungen, wie z.B. Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt als das klassische Therapiekonzept für die Behandlung klimakterischer Symptome. Auch die Vorteile bezüglich der Prävention der Folgeerkrankungen sind bekannt. Die Compliance bei einer langfristigen HRT ist jedoch sehr schlecht, da viele Frauen unter anderem ein mögliches erhöhtes Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen, insbesondere Mamma- und Korpuskarzinome, fürchten.

Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass asiatische Frauen im Vergleich zu europäischen und nordamerikanischen weniger an klimakterischen Beschwerden leiden und die Inzidenz des Mammakarzinoms deutlich geringer ist [12]. Dieser Effekt wird auf den hohen Verzehr an Sojaprodukten in Asien zurückgeführt, die reich an Phytoöstrogenen sind. Phytoöstrogene sind natürliche Substanzen, die durch Bindung an Östrogenrezeptoren sowohl östrogene als auch antiöstrogene Wirkung aufweisen [10;11;14].

In Studien an Zellkulturen konnte gezeigt werden, dass sowohl osteoblasten- als auch ostoeklastenähnliche Zellen auf Phytoöstrogene ansprechen, allerdings liegen hier unterschiedliche Wirkmechanismen zugrunde.

Bei Verabreichung niedriger Konzentrationen von Phytoöstrogenen wurde bei den Osteoblasten in vitro wie auch in vivo eine gesteigerte Produktion der alkalischen Phosphatase als spezifischen Biomarker beobachtet [15]. Die Antwort dieser Zellen wird über einen rezeptorvermittelten Weg stimuliert, d.h. durch die Bindung der Phytoöstrogene an spezifische Östrogenrezeptoren [15].

In Studien an Kulturen osteoklastenähnlicher Zellen konnte gezeigt werden, dass Phytoöstrogene auf diese Zellen des Knochenabbaus in vitro einen hemmenden Effekt ausüben, diese Wirkung aber wahrscheinlich nicht auf einem rezeptor-vermittelten Weg beruht. Die Hemmung osteoklastenähnlicher Zellen in vitro basiert auf Wechselwirkungen von Isoflavonen mit spezifischen Enzymsystemen, so z.B. mit der Tyrosinkinaseaktivität des "Epidermal Growth Factor"-Rezeptors [15].

Die beobachteten Effekte einer sojareichen Kostform konnten bisher durch die Gabe isolierter Phytoöstrogene nicht bestätigt werden. Daher wird die Rolle anderer Nahrungsbestandteile und möglicher synergistischer Effekte intensiv untersucht [7]. Eine optimierte Ernährung durch erhöhte Zufuhr bestimmter Nahrungsbestandteile wird zur Zeit als Alternative bzw. als Ergänzung zur HRT diskutiert [8;12;13].

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass bereist eine dreimonatige Supplementation mit reinen Phytoöstrogenen eine signifikante Reduktion bezüglich Häufigkeit und Schwere klimakterischer Beschwerden bewirkt [1; 2; 3]. Hinsichtlich der Osteoporose zeigen Studien an oophrektomierten Ratten eine Reduzierung des Knochensubstanzverlusts durch Supplementation mit Phytoöstrogenen [4]. Bei Patienten mit manifester Osteoporose konnte mittels Phytoöstrogen-Gabe ein signifikanter Knochendichteanstieg [5] und eine Erhöhung des Knochenmineral-gehaltes erreicht werden [9].

Aufgrund dieser vorliegenden epidemiologischen und klinischen Erkenntnisse erscheint es interessant zu untersuchen, ob durch eine gezielte Intervention in Form einer Anreicherung von Lebensmitteln mit speziellen Nährstoffen auch in Europa eine Verbesserung der oben beschriebenen Symptomatik in Richtung des an asiatischen Frauen beobachteten Phänomens möglich wird.

2. Interessante Perspektive: Brot wichtigstes Grundnahrungsmittel

Lebensmittel mit funktionellem Zusatznutzen finden in vielen Ländern seit einiger Zeit großen Anklang beim Verbraucher. Um eine mögliche präventivmedizinische Bedeutung funktioneller Lebensmittel zielgerichtet nutzen zu können, ist es sinnvoll, eine Auswahl an Lebensmitteln für die Nährstoffanreicherung zu treffen, die als Grundnahrungsmittel eine wichtige Rolle in der täglichen Ernährung spielen.

Im Fall der von der Universität Rostock durchgeführten klinischen Studie wurde zu diesem Zweck Brot, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, ausgewählt. Brot ist nicht nur ein fester Bestandteil des täglichen Speiseplanes sondern bietet aufgrund der Quantität der Verzehrsmenge eine interessante Perspektive für die präventivmedizinische Nährstoffanreicherung. Die Tatsache, ein funktionelles Brot in präventivmedizinischem Zusammenhang nutzen zu können, verspricht eine gute Compliance der Probanden, da auf diesem Weg ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung zahlreicher Krankheiten geleistet werden kann, ohne dass der Konsument gezwungen wird, seine bisherigen Ernährungsgewohnheiten aufzugeben.

3. Ziel der Studie

Basierend auf bisherigen Erkenntnissen aus epidemiologischen und klinischen Studien, ist es das Ziel der vorliegenden Studie zu prüfen, ob durch den Verzehr von mit speziellen Nährstoffen wie Calcium, Vitamin D, Isoflavonen, Lignanen, Magnesium und Fluorid angereichertem Brot eine Reduzierung klimakterischer Begleiterscheinungen sowie eine Verbesserung des Knochenstoffwechsels im Hinblick auf eine Osteoporoseprävention erreicht werden kann. Alle zur Anreicherung verwendeten Nährstoffe entstammen natürlichen Lebensmitteln.

4. Studiendesign und Methode

Insgesamt wurden 89 Frauen in die randomisierte, placebo-kontrollierte Doppel-Blind-Studie aufgenommen, von denen 23 bereits eine HRT erhielten und diese auch während der Studie fortführten. Sechs Frauen schieden vorzeitig aus der Studie aus. Das Alter der Studienteilnehmerinnen lag zwischen 43 und 66 Jahren (Ø 53,1 Jahre), die Frauen waren post- oder perimenopausal und wiesen mindestens ein klimakterisches Symptom auf. Der Body-Maß-Index (BMI) lag zwischen 18 und 40 (Ø 26,3). Die Frauen waren in den einzelnen Randomisierungsgruppen hinsichtlich der Parameter Alter, BMI, Lebensweise und Essverhalten homogen verteilt.

Im Rahmen der Studie erhielten die Probandinnen der Versuchsgruppe über sechs Monate regelmäßig Brot zugeschickt, das 750mg Calcium, 2,5µg Vitamin D, 80mg Isoflavonen, 200mg Lignanen, 250mg Magnesium und 1 mg Fluorid bezogen auf die Tagesverzehrsmenge von 250g enthielt.
Die Frauen der Kontrollgruppen verzehrten ein Placebo-Brot ohne diese funktionellen Inhaltsstoffe. Monatlich wurden die klimakterischen Begleiterscheinungen der Probandinnen mittels eines standardisierten Fragebogens erfasst und die laborchemischen Parameter in Urin-und Serumproben bestimmt.

Zur Erfassung der Dynamik des Knochenstoffwechsels wurden als spezifische Marker für die Knochenresorption das Pyridinolin (PYD) und Desoxypyridinolin (DPD) sowie die Ostase für den Knochenaufbau verwendet. Des weiteren wurden im Serum als Parameter für den Lipidstoffwechsel Triglyceride, HDL-, LDL- und Cholesterin bestimmt sowie für den Hormonhaushalt die Hormone FSH, LH und Östradiol.

Neben der Analyse der genannten Parameter in Serum und Urin wurde studienbegleitend die Konzentrationsfähigkeit mit Hilfe eines Leistungstests ermittelt. Die Bestimmung der Knochendichte erfolgte einmalig zu Beginn der Studie und wurde nach neuen Monaten in den Fällen noch einmal wiederholt, bei denen bei der ersten Untersuchung eine Verminderung der Knochendichte von -2,5 SD (T-Score-Wert) festgestellt wurde.

5. Ergebnisse

Bei der Darstellung der Studienergebnisse werden im Folgenden subjektive Parameter (Anamnese der Beschwerdesymptomatik) und objektive Parameter (laborchemische Untersuchungen) unterschieden.

Bezüglich der subjektiven Beschwerdesymptomatik ist festzustellen, dass es in allen drei Gruppen zu einer Abnahme der klimakterischen Symptome kam, was sich vermutlich zumindest teilweise durch den psychologischen Effekt der intensiven Betreuung erklären lässt. Trotz dieses positiven Gesamttrends ist die Reduzierung der einzelnen Begleiterscheinungen in der Wirkstoffgruppe signifikant stärker als in der Placebogruppe.

Nach Angaben der Studienteilnehmerinnen reduzieren sich sowohl die Häufigkeit als auch der Schweregrad der Hitzewallungen in beiden Gruppen, jedoch wird eine signifikant stärkere Reduzierung in der Wirkstoff-Gruppe erreicht (p=0,02).

Die Begleiterscheinung Herzrasen zeigt nur in der Wirkstoffgruppe eine Verminderung der Schwere als auch der Häufigkeit (p=0,03).

Gefragt nach der Reizbarkeit gaben die Frauen in beiden Gruppen im Verlauf eine Verminderung des Symptoms an, wobei die Abnahme in der Wirkstoffgruppe signifikant stärker war (p=0,02).

Die Leistungsminderung bei der Arbeit wird im Verlauf der Studie reduziert. Ein signifikanter Unterschied zwischen der Wirkstoff- und der Placebo-Gruppe besteht nicht.

Zusammenfassend kam es bei Hitzewallungen, Herzrasen und Schwindelanfällen (p=0,04) sowohl in der Anzahl als auch der Häufigkeit zu einer deutlichen Abnahme der Beschwerden. Auch Schlafstörungen (p=0,01) und Reizbarkeit wurden in der Wirkstoffgruppe gebessert. Bei den weiteren Symptomen war die Streuung zwischen den Gruppen häufig sehr groß.

Laborchemisch konnte eine deutliche Verbesserung der objektiven Parameter des Knochenstoffwechsels in der Wirkstoffgruppe festgestellt werden. Die Knochenresorptionsmarker PYD und DPD nahmen in dieser Gruppe signifikant stärker ab als in der Placebo-Gruppe (PYD p=0,02 ; DPD p=0,04). Tendenziell näherten sich die Werte der Wirkstoffgruppe dabei an die Werte der HRT-Gruppe an. Auffällig ist der erneute Anstieg dieser Parameter bei der Kontrolluntersuchung aller Gruppen nach Absetzen der Supplementation nach weiteren 3 Monaten.

Bei der Ostase als Knochenaufbaumarker kommt es zu einem nicht eindeutig erklärbaren, Anstieg in allen drei Gruppen, in der Placebo- und Wirkstoffgruppe sogar noch bei der abschließenden Kontrolluntersuchung. Die beobachteten Veränderungen waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Abb. 9: Bestimmung der Ostasekonzentration im Serum

Die Auswertung der Ernährungsprotokolle zeigt, dass die Calciumversorgung der Probandinnen der Versuchsgruppen deutlich über der DGE-Empfehlung (1000mg/Tag) für die Calciumzufuhr lagen (Wirkstoff Gruppe Ø1480mg/Tag; HRT+Wirkstoff Ø1420mg/Tag). Die Placebogruppe lag mit durchschnittlich 840mg/Tag deutlich unter diesem Wert.

Bezüglich des Lipidstoffwechsels kommt es in der Wirkstoffgruppe zu einem Abfall der Triglycerid- und Cholesterinwerte. Durch die hohe Varianz und die kleine Fallzahl sind diese Veränderungen jedoch nicht signifikant.

Bei den Hormonuntersuchungen konnten weder in der Wirkstoff- noch in der Placebogruppe Veränderungen festgestellt werden.

Als gesonderte Gruppe sind die Frauen unter HRT zu betrachten. Die Laborparameter ändern sich unter der zusätzlichen Therapie nur unwesentlich. Jedoch kommt es auch in dieser Gruppe zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerdesymptomatik

6. Zusammenfassung:

Im Rahmen der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, mit einem funktionellen Lebensmittel, welches Phytoöstrogene, Calcium, Vitamin D, Magnesium und Fluorid enthält, typische unangenehme Begleiterscheinungen des Klimakteriums abzuschwächen. Weiterhin scheint das angereicherte Brot einen wichtigen Beitrag zur Prävention einer durch Östrogenmangel bedingten Osteoporose zu leisten. Bereits in anderen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass ein Abfall der Knochenresorptionsmarker PYD und DPD nach 6 Monaten positiv mit der Zunahme der Knochendichte korreliert (6). Die Erklärung des unerwarteten Anstiegs der Ostase als Knochenaufbauparameter in allen drei Gruppen macht weitere Untersuchungen notwendig. Bei Betrachtung der subjektiven Parameter wird deutlich, dass der Einfluss des Brotverzehrs auf die einzelnen Symptome unterschiedlich stark war. Dennoch kommt es bei einzelnen Symptomen zu einer signifikant stärkeren Abnahme der Beschwerden.

So ist festzustellen, dass die unangenehmen Begleiterscheinungen Hitzewallungen, Herzrasen, Schwindelanfälle als auch Schlafstörungen und Reizbarkeit unter dem Einfluss der Phytoöstrogene deutlich gebessert werden. Es ist wahrscheinlich, dass es bei größerer Fallzahl und längerer Beobachtungszeit auch bei den übrigen Parametern zu einer Besserung käme. Darüber hinaus wird deutlich, dass sich die im Brot befindlichen Phytoöstrogene sowohl allein als auch in Kombination mit einer HRT positiv auf die beobachteten Parameter auswirken.

Die Studie wurde an der Universitätsfrauenklinik in Rostock unter der medizinischen Anleitung von Prof. V. Briese und Dr. G. Bruer durchgeführt.

Literatur:

[1] Brzezinski A et al.

Short-term effects of phytoestrogen-rich diet an postmenopausal women. J North Am Menop Soc1997; 2: 89-94

[2] Albertazzi et al.

The effect of dietary soy supplementation an hot flushes. Obstet Gynecol 1998; 91(1): 6-11

[3] Murkies AL et al.

Dietary flour supplementation decreases postmenopausal hot flushes: Effect of soy and weath. Maturitas 1995 ; 21 : 189-195

[4] Draper ChR et al.

Phytoestrogenes reduce bone loss and bone resorption in oophrectomized rats. Am Soc Nutr Scien 1997: 1795-1799

[5] Gallagher JC et al.

The effects of soy isoflavone intake an bone metabolism in postmenopausal women. Soy Life 1997

[6] Hadji P et al.

Prävention der Osteoporose - eine Herausforderung für die gynäkologische Praxis. Frauenarzt 1998; 39: 1864-1877

[7] Adlercreutz H, Masur W

Phyto-estrogens and Western diseases. Ann Med 1997; 29(2): 95-120

[8] Kass.Annese B

Alternative therapies for menopause. Obstet Gynecol 2000; 43 (1):162-183

[9] Alekel DL et al.

Isoflavone-rich soy protein isolate attenuates bone lass in the lumbar spine of perimenopausal women. Am J Clin Nutr 2000; 72 (3): 844-852

[10] Cgiechi LM

Dietary phytoestrogens in the prävention of long-term postmenopausal diseases. Int J Gynaecol Obstet 1999; 67(1): 39-40

[11] Messina MJ

Legumes and Soybeans: overview of their nutritional profiles and health effects. Am J Clin Nutr 1999; 70(3): 439-450

[12] Ramsey LA, Ross BS, Fischer RG

Phytoestrogens and the management of menopause. Advance for Nurse Practitioners 1999; 7(5):26-30

[13] Scheiber MD, Rebar RW

Isoflavones and postmenopausal bone health: a viable alternative to estrogen therapy? Menopause 1999; 6(3): 233-241

[14] Tham DM, Gardner CD, Haskell WL

Clinical review 97: Potential health benefits of dietary phytoestrogens: a review of the clinical, epidemiokogical, and mechanistic evidence.
J Clin Endocrinol Metab 1998; 83(7): 2223-2235

[15] Anderson JJB, Gamer SC

The effects of phytoestrogens an bone. Nutr Res 1997; 17(10): 1617-1632


Hier finden Sie, was Sie sonst noch suchen:

Ätherische Öle Heilöle Nahrungsergänzung
Ätherische Öle Index Heilöle Index Nahrungsergänzung Index

Fragen ? - Kritik ? - Anregungen ? - Wir freuen uns auf Ihre Post:

Email: erutan@web.de

© Copyright 2003 by Ed Erutan Letzte Änderung: 15.01.2003

Layout und Design: Ed Erutan